In a family system, each element is connected to the other.

Die Kraft unserer Wurzeln | Teil 2

Der zweite Teil unseres Posts betrachtet die Auswirkungen von Familienaufstellungen, worauf du achten solltest, transgenerationales Trauma und Epigenetik sowie die Entwicklung von Familien- und Organisationsaufstellungen.

Über Familienaufstellungen


Seit über acht Jahren erforschen wir die Kunst der Familienaufstellungen. Doch die Herausforderung bleibt: Wie erklärt man etwas, das vor allem die Sprache der Wahrnehmungen und Empfindungen spricht?

Der zweite Teil unseres Posts betrachtet die Auswirkungen von Familienaufstellungen, worauf du achten solltest, transgenerationales Trauma und Epigenetik sowie die Entwicklung von Familien- und Organisationsaufstellungen. Lies den ersten Teil des Posts.

Wenn er bei dir mehr Fragen als Antworten aufwirft, gibt es nur eine Möglichkeit: erlebe es selbst.

Wie können Familienaufstellungen dir unterstützen?

Die kurze Antwort lautet: mehr Präsenz, mehr Klarheit, mehr Verständnis und Mitgefühl für uns selbst und die Welt um uns herum.

Eine Klientin sagte uns:

Ich habe Mut und den Willen gewonnen, ein gutes Leben für mich zu wählen

Eine andere meinte:

Das Leben ist leichter und fröhlicher geworden

Aufstellungen bieten eine neue Perspektive auf eine Situation. Sie helfen uns, aus der Geschichte herauszukommen, die wir uns selbst erzählt haben, die Geschichte, die uns in einer belastenden Situation gefangen hält.

Dies kann oft beunruhigend und ein echter Weckruf sein. Aus dieser neuen Perspektive ist Veränderung möglich. Plötzlich kann man sich aus einer Situation befreien und die Macht zurückerobern, die Geschichte so zu verändern und neu zu erzählen, dass sie unterstützend und nicht behindernd ist. Wenn wir aufhören, die Welt um uns herum, unsere Kinder, unsere Eltern, unsere Partner.innen verändern zu wollen, übernehmen wir die Verantwortung dafür, uns auf das zu konzentrieren und das zu verändern, was wir können. Und das sind wir selbst.

In einer Studie der Universität Heidelberg1 wurden die Auswirkungen von Aufstellungen zwei Wochen und vier Monate nach einem Seminar gemessen. Getestet wurden der allgemeine psychische Zustand der Teilnehmenden, ihre neuen Wahrnehmungen des untersuchten Systems, z.B. des Familiensystems, sowie ihre Fähigkeit, die während der Aufstellung geäusserten Absichten im Alltag umzusetzen. Die Ergebnisse zeigten Verbesserungen in allen drei Bereichen, sowohl nach zwei Wochen als auch nach vier Monaten.

Die Kraft der Transformation

Jede Familie ist ein System. Wie jedes andere biologische System strebt es nach Gleichgewicht. Wenn sich ein Element verändert, reagiert das gesamte System, passt sich an und sucht nach einem neuen Gleichgewicht. Wie oft hören wir die Rückmeldung:

Es ist unglaublich, ich habe meine Einstellung geändert, und auch mein Familiensystem hat sich verändert

Das ist die Macht der Aufstellungen. Der Wandel, den du persönlich durchmachst, wirkt sich weit über dich selbst hinaus aus und hallt in dir nach. Es erinnert an die bekannte Theorie vom Schmetterling, der mit einen Flügelschlag auf der einen Seite des Planeten einen Wirbelsturm auf der anderen Seite der Welt auslöst.

Werden wir uns der tieferen Ursachen unserer Verhaltensweisen bewusst, können wir einen neuen Weg wählen. Wenn wir eine alternative Option wählen, dann passt sich das System um uns herum entsprechend an. Und so geht die Transformation über uns selbst hinaus.

Was ist das Besondere an dieser Methode?

Die Besonderheit einer Aufstellung besteht darin, dass eine Person nicht als eigenständiges, separates Element betrachtet wird, sondern als Teil eines grösseren Ganzen. Sie konzentriert sich auf die Beziehungen zwischen den Elementen eines Systems. Unsere Familie ist ein System. Der Ort, an dem wir aufgewachsen sind, ist ein System. Die Gesellschaft, in der wir leben, ist ein System.

Was bedeutet das?

Zunächst einmal sollten wir überdenken, was Wahlfreiheit bedeutet. Wir neigen dazu, uns als Menschen mit einem freien Willen zu sehen, die ihren eigenen Weg wählen. Das mag teilweise richtig sein. Doch eine Aufstellung zeigt uns eine viel kompliziertere Realität.

Die Menschen, mit denen man zusammen ist, die Orte, an denen man lebt, der Beruf, den man wählt, sind nicht einfach das Ergebnis einer freien, unabhängigen Bewegung. Sie sind durch eine riesige Menge miteinander verflochtener Informationen bedingt, die du mehr oder weniger bewusst mit dir herumträgst.

Das öffnet einem die Augen. Plötzlich hat das Thema, das wir untersuchen wollen, seine Wurzeln nicht nur in unseren persönlichen Erfahrungen, sondern auch in den Lebenserfahrungen unserer Familienmitglieder.innen (ob sie nun leben oder tot sind, ob wir sie getroffen haben oder nicht, ob wir mit ihnen im selben Haus oder auf einem anderen Kontinent leben), unserer Vorfahren und dem historischen Kontext, in dem sie lebten.

Transgenerationales Trauma und Epigenetik

Wenn es hysterisch ist, ist es historisch

Dank aktueller epigenetischer Studien wissen wir, dass unsere Gene nicht nur Informationen über die Farbe unserer Augen oder das Geschlecht, in dem wir geboren werden, enthalten, sondern auch eine Fülle von Emotionen. In Studien2 an Ratten,
haben Wissenschaftler.innen beobachtet, wie sich traumatischer Stress von einer Generation zur nächsten vererbt. In Fällen von schweren Traumata bis zu vier Generationen zurück.

Dies wurde nicht nur an Ratten, sondern auch beim Menschen untersucht. Die Forschung beschäftigte sich damit, auf welche Weise Trauma über Generationen weitergegeben wird und in zukünftigen Generationen Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) verursacht.3

Weisst du, was deine Ur-Ur-Grosseltern durchgemacht haben?

Das solltest du, denn du könntest noch immer unter den Folgen leiden.

Das sehen wir oft in unserer Arbeit mit Aufstellungen. Emotionen werden von Generation zu Generation weitergegeben und beeinflussen weiterhin das Verhalten und die Entscheidungen der nachfolgenden Generationen. Wenn wir uns dessen bewusst werden, können wir den Prozess der Ent-Identifizierung einleiten und uns so frei machen, unseren eigenen Weg gehen.

Wenn du dich auf eine Weise überfordert fühlst, die du rational nicht erklären kannst, wenn du dieselben Muster wiederholst, die in deiner Familie seit Ewigkeiten vorhanden sind, dann kannst du sicher sein, dass es eine Verstrickung gibt, die darauf wartet, gelöst zu werden. In diesen Fällen sind Aufstellungen unglaublich wirksam.

Wie haben sich Aufstellungen entwickelt?

Beispiel für energetisches Beziehungs-Balancing während einer Aufstellung

Aufstellungen haben sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Bei SPARK lehren und verwenden wir die so genannte Methode der „freien Elemente“.

Die Stellvertreter.innen bewegen sich frei im Raum. Bei der klassischen Hellinger-Methode werden die Repräsentant.innen aufgestellt.

In einem Gruppenseminar können alle
Teilnehmende als Repräsentant.innen gewählt werden.

Bei der klassischen Methode arbeiten die Aufstellungen im Einzelsetting mit Objekten anstelle von Stellvertreter.innen.

Derzeit entwickelt sich die Struktur des privaten Rahmens weiter. Diese Methode haben wir von unseren Lehrpersonen in Città della Luce gelernt, und sie ist spezifisch für unsere Arbeitsweise bei SPARK. Anstatt Objekte zu verwenden, bitten wir zwei erfahrene Repräsentant.innen anwesend zu sein. Sie bleiben während des gesamten Gesprächs mit den Kund.innen ausserhalb des Raums, damit sie das zu untersuchende Anliegen nicht hören. Dann rufen wir sie herein, um die erforderlichen Rollen zu vertreten.

Viele Klient.innen, die zuvor in einem Einzelsetting mit Objekten gearbeitet hatten, waren begeistert von der Möglichkeit, privat zu arbeiten und dennoch die Gelegenheit zu haben, die Aufstellung durch menschliche Stellvertreter.innen zu sehen.

Organisationsaufstellungen

Aus dem ursprünglichen Format hat sich eine Fülle von Varianten entwickelt. Dazu gehören auch Organisationsaufstellungen. Gunthard Weber, unserer Lehrer Claude Rossellet und andere haben ein Format entwickelt, das in Unternehmen angewendet werden kann. Aus offensichtlichen Gründen sind CEOs nicht so scharf darauf, dass persönliche Themen und emotionale Katharsis mitten am Arbeitsplatz ausbrechen.

Organisationsaufstellungen bieten eine einzigartige Möglichkeit, die Struktur von Organisationen zu betrachten, ihre Vision und ihren Zweck, ihre aktuellen Bedürfnisse. Sie gewinnen daraus eine Fülle von Informationen, ohne den persönlichen Bereich zu betreten.

Worauf solltest du achten?

Bei jeder Technik zur Persönlichkeitsentwicklung ist der Schlüssel zum Erfolg das Vertrauen in den Facilitator und den Rahmen, in dem die Aufstellung stattfindet. Du musst dich unterstützt und sicher fühlen, damit du dich öffnen und die Aufstellung wirken lassen kannst.

Dies geschieht, wenn du einen ausgebildeten professionellen Facilitator wählst, der weiss, wie man einen Raum hält und der dich durch die Arbeit führt. Die Menschen, die sich bei SPARK zu Familien- und Organisationsaufstellern ausbilden lassen, arbeiten zwei Jahre lang mit uns und erhalten mehr als 500 Stunden Ausbildung. Jedes Jahr machen wir mehr als 150 Stunden Arbeit an uns selbst, um sicherzustellen, dass wir uns über unsere eigenen Schatten im Klaren sind. Nur so können wir vermeiden, diese auf die Menschen zu projizieren, mit denen wir arbeiten.

Wenn du nicht mit einem ausgebildeten Therapeuten, Psychologen oder Arzt arbeitest, raten wir davon ab, eine Aufstellung bei psychischer Instabilität zu machen. Aufstellungen können verunsichernd sein, und es ist wichtig, dass du dich in einem Raum befindest, in dem du das Geschehen erfassen und die Arbeit auch integrieren kannst. Wenn du unsicher bist, bitte einfach vorher um ein Gespräch, und der Facilitator wird dich in deinem Entscheidungsprozess unterstützen.

Und zuletzt: Wir benutzen Aufstellungen nicht als Orakel. Wenn jemand herausfinden will, ob seine Grossmutter eine Affäre hatte oder ob er nächste Woche Lotto spielen sollte, verweisen wir ihn freundlich an einen anderen Ort.

Es ist uns sehr wichtig, die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit der Menschen, mit denen wir arbeiten, zu unterstützen. Wir vermeiden es, die Entscheidungen, die wir treffen sollen, an Facilitators zu delegieren. Aufstellungen geben dir Informationen, sie zeigen dir eine neue Sicht der Dinge. Von da an liegt es an dir, tatsächlich zu handeln

Warum lieben wir diese Methode?

Weil sie effizient und effektiv ist. Sie zeigt uns die Verflechtung der Geschichte mit unseren Geschichten. Sie führt uns zurück in die Vergangenheit, damit wir in der Gegenwart präsenter sind.

Weil man weiss, wie es anfängt, aber nicht, wie es aufhört. Sie überrascht dich mit unendlicher Weisheit.

Aber vor allem, weil

Aufstellungen uns unsere gemeinsame Menschlichkeit zeigen

Wenn wir in einer Gruppe arbeiten, werden wir uns all dessen bewusst, was wir gemeinsam haben. Anstatt uns auf das zu konzentrieren, was uns unterscheidet, entdecken wir unsere gemeinsamen Schwachstellen, Herausforderungen und Träume. In der heutigen Zeit ist es ein sehr wertvolles Geschenk, an unseren gemeinsamen Weg erinnert zu werden.

Eines, das wir gern weit und breit herum teilen.

HamSa Serena Olgiati, Juli 2025, Teil 2 von 2

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  1. Weinhold, J., Hunger, C., Bornhäuser, A., & Schweitzer, J. (2013), Wirksamkeit von Systemaufstellungen: Explorative Ergebnisse der Heidelberger RCT-Studie, https://elibrary.klett-cotta.de/article/99.120115/fd-38-1-42 ↩︎
  2. Prof. Dr. Isabelle Mansuy, ETH Zürich. Unter anderem: Epigenetics and the Human Brain: Where Nurture Meets Nature (Mansuy, 2011, University of Zurich/HIFO). ↩︎
  3. Unter anderem:
    Nature (Polish WWII trauma): https://www.nature.com/articles/s41598-023-44300-6
    PubMed/PMC (Holocaust/war trauma transmission): https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6127768/ und https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10910933/
    Max Planck/DZPG summary (Binder & Yehuda’s work): https://www.psych.mpg.de/2950074/80-years-after-the-war
    Scientific American (overview): https://www.scientificamerican.com/article/how-parents-rsquo-trauma-leaves-biological-traces-in-children/ ↩︎

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