Über Familienaufstellungen
„Das ist viel mehr als eine Methode, es ist eine Lebenseinstellung: Ich habe gelernt, ja zum Leben zu sagen.“
Seit über acht Jahren erforschen wir die Kunst der Familienaufstellungen. Doch die Herausforderung bleibt: Wie erklärt man etwas, das vor allem die Sprache der Wahrnehmungen und Empfindungen spricht?
Dies ist unser Versuch dazu. Wenn er bei dir mehr Fragen als Antworten aufwirft, gibt es nur eine Möglichkeit: erlebe es selbst.
Was sind Familienaufstellungen?

Für uns bei SPARK sind sie ein Werkzeug, um den tiefen, verborgenen Ursachen einer Situation auf die Spur zu kommen.
Wir können ein Symptom (körperlich, emotional, situativ, wie z.B. eine schwierige Beziehung, alles, was symptomatisch ist) als die Spitze des Eisbergs betrachten. Es ist das, was wir wissen und bewusst wahrnehmen können. Die Aufstellung führt uns auf die verborgene Seite der Situation; sie zeigt uns ihre tief verwurzelten Ursachen.
Aufstellungen helfen uns, hinderliche Blockaden zu erforschen und zu lösen, um präsenter, konzentrierter und in Frieden mit uns selbst und der Welt um uns herum zu sein.
Wer möchte das nicht?
Wir betrachten Familienaufstellungen gern als eine Form der Kunst. Jede Aufstellung ist eine einzigartige Manifestation der inneren Welt eines Menschen. Keine zwei Aufstellungen sind gleich. Auch nicht, wenn zwei Geschwister ihre Beziehung zu ihren Eltern erforschen. Gleiche Eltern, richtig? Biologisch ja, ansonsten nicht wirklich.
Eine Aufstellung nimmt Beziehungen unter die Lupe, die Verbindung zwischen verschiedenen Elementen einer Familie. In einer Aufstellung können sich dieselben biologischen Eltern auf manchmal diametral entgegengesetzte Weise bewegen und verhalten, je nachdem, welches Geschwisterteil sie betrachtet. Wie ich meine Eltern erlebe, unterscheidet sich sehr von dem, wie meine Geschwister sie erlebt haben.
Woher kommen Aufstellungen?


Familienaufstellungen haben ihre Wurzeln im Psychodrama (Jacob Moreno), in der Familienrekonstruktion und Familienskulpturen (Virginia Sattir) sowie in der Welt der systemischen Theorien, um nur einige der wichtigsten Einflüsse zu nennen.

Bert Hellinger ist der «Vater» dieser Methode. Er hat sie nicht erfunden, sondern sich von den oben genannten Instrumenten inspirieren lassen und daraus das entwickelt, was wir heute als Familienaufstellung kennen. Er war derjenige, der sie bekannt machte und ihre Schlüsselelemente definierte.
Geht es bei Familienaufstellungen nur um Familienangelegenheiten?
Und nein, wir arbeiten nicht daran, unsere Familienmitglieder zu ändern. Wir zeigen nicht mit dem Finger auf andere und geben anderen die Schuld für unsere Gefühle. Wir arbeiten an uns selbst, daran, was wir tun können, um ein anderes Ende der Geschichte zu wählen. Eines, das uns unterstützt, anstatt uns die Energie zu rauben.
Warum eine Aufstellung machen?
Bevor wir uns damit befassen, wie Aufstellungen funktionieren, wollen wir uns auf die Fragen konzentrieren, die du mit Hilfe von Aufstellungen erforschen kannst. Wir können sie in drei Kategorien zusammenfassen:
Ich – alles, was mit deiner Beziehung zu dir selbst zu tun hat, z. B. ein geringes Selbstwertgefühl, deine Beziehung zum Essen, zu deinem Körper, zu deiner körperlichen oder emotionalen Gesundheit. Aber auch deine Beziehung zu deiner Herkunftsfamilie, deinen Eltern, Geschwistern (lebendig oder verstorben), Grosseltern und Vorfahren. Dabei spielt es keine Rolle, ob du diese Vorfahren getroffen hast oder ob sie noch leben. Die Verstrickung bleibt bestehen und hat oft einen Ursprung, der viel älter ist als man selbst. Mehr dazu weiter unten.
Du – Sexualität, Missbrauch, Beziehungen zu aktuellen und ehemaligen Partnern, Kinder, Abtreibungen und Fehlgeburten. Alles, was mit der Beziehung zu deiner Wahlfamilie zu tun hat. Die Familie, die du als Erwachsener gewählt und gegründet hast. Ganz gleich, welche Form sie annimmt, ob du Kinder hast und ob sie mit einem oder mehreren Partner.innen besteht. Wir befassen uns auch mit möglichen Problemen, die dich daran hindern, eine Beziehung einzugehen.
Organisationen – Themen bezüglich Arbeit, wie z.B. dein Verhältnis zu Geld, Selbstverwirklichung und Erfolg, Autonomie und Unabhängigkeit sowie herausfordernde Situationen mit Arbeitskollegen. Wir untersuchen, was aktuelle Projekte brauchen oder welche strukturellen Veränderungen wir einführen können, um unser Unternehmen zu unterstützen.
Einige Beispiele für Themen, die wir kürzlich erforscht haben, sind folgende:
- Mein.e Partner.in schenkt mir nicht genug Aufmerksamkeit. Ich fühle mich nicht gesehen und anerkannt.
- Ich hätte so gern Kinder, aber ich habe weder eine.n Partner.in noch bin ich in der Lage, länger als ein paar Monate in einer Beziehung zu leben.
- Ich habe ein sehr angespanntes Verhältnis zu meiner Mutter; wir lieben uns, aber ich habe das Gefühl, dass eine unsichtbare Mauer zwischen uns steht.
- Ich habe ein sehr geringes Selbstwertgefühl und vertraue mir selbst nicht. Ich habe versucht, dieses Problem zu lösen, aber es scheint nicht besser zu werden.
- Ich habe ein Traumprojekt, aber ich habe Angst, meinen derzeitigen Job aufzugeben und es zu verfolgen.
- Ich möchte meine Herausforderungen mit Erfolg und Selbstverwirklichung angehen.
- Ich leide seit Jahren an einer Schilddrüsenunterfunktion, ebenso wie meine Mutter und deren Mutter. Ich möchte diesem Symptom auf den Grund gehen.
Aufstellungen bringen eine neue Perspektive an die Oberfläche, eine alternative Sichtweise auf eine Herausforderung. Sie zeigen dir die andere Seite der Medaille, die, zu der du selbst nicht so leicht Zugang findest.
Wenn wir in die Tiefe unseres Selbst navigieren, können wir nicht unseren rationalen Verstand benutzen, wir müssen unsere empathische, emotionale Intelligenz trainieren und lernen, sie einzusetzen und mit unseren Gefühlen wahrzunehmen. Das kann beängstigend sein, es ist definitiv unbekanntes Terrain. Deshalb besteht die Rolle des Facilitators darin, einen sicheren, geschützten Raum zu schaffen, in dem die Person sich entspannen und für das öffnen kann, was sich manifestiert.
Wie funktioniert es?

Sie kann auch privat in einem 1:1-Rahmen durchgeführt werden.
In beiden Fällen beginnt die Aufstellung mit einem Vorgespräch, in dem Klient.in und Facilitator das zu untersuchende Thema festlegen. Anschliessend wird ein einfacher Stammbaum erstellt. Der Fokus auf den Stammbaum ist spezifisch für unsere Arbeitsweise bei SPARK. Wenn wir anfangen, Namen, Daten, Orte etc. über unsere Vorfahren zu sammeln, erhalten wir eine Fülle von Informationen. Dies kann für die Arbeit sehr unterstützend sein.
Ist das Thema geklärt, wählt d. Klient.in eine Stellvertretungsperson aus. Diese beginnt, sich frei im Raum zu bewegen. Sie kann sich hinstellen oder hinlegen, körperliche Schmerzen oder Gefühle empfinden. Sie kann sich in der Mitte des Raumes aufhalten oder sich in einer Ecke verstecken.
So entsteht ein erstes Bild von der Position der. Klient.in in Bezug auf das untersuchte Thema. Von dort aus werden weitere Repräsentant.innen hinzugezogen, die die erforderlichen Rollen übernehmen (Mutter, Vater, körperliche Symptome, Geschwister, Partner.innen, Kinder, Arbeitskolleg.innen etc.).
Ist es wie Theaterspielen?
Ein szenisches Bild beginnt sich zu manifestieren. Das ist nicht allzu weit von dem entfernt, was wir im Theater erleben. Mit einem wichtigen Unterschied: Repräsentant.innen sind keine Schauspieler.innen, die eine Rolle spielen. Sie tauchen in die Rolle ein. Sie werden zu ihr. Sie fühlen, bewegen sich und nehmen sogar die gleichen Positionen ein wie die Familienmitglieder des Klienten. Einer unserer Klienten sagte uns:
“Plötzlich steht dieser völlig unbekannte Fremde auf und fängt an, sich wie meine Grossmutter zu bewegen, benutzt die gleichen Worte und nimmt sogar die gleiche charakteristische Körperhaltung ein.”
Es ist keine Magie; wissenschaftlich wird das Phänomen „repräsentierende Wahrnehmung“ genannt. Es ist empirisch untersucht. Kein Hokuspokus, sondern eine ganze Menge Training.
Wie kann jemand einen anderen Menschen repräsentieren, ohne seine eigene Geschichte mit einzubringen?
Das ist eine sehr wichtige Frage, die uns oft gestellt wird. Es ist die Aufgabe eines professionellen Facilitators, auf die Repräsentant.innen zu achten und sicherzustellen, dass sie ihre persönliche Geschichte aussen vor lassen.
Bei SPARK arbeiten wir mit Menschen zusammen, die viele Stunden Ausbildung als Repräsentant.innen hinter sich haben. Je mehr man daran gewöhnt ist, in die erforderlichen Rollen hinein- und wieder herauszuwechseln, desto geringer ist die Gefahr, von der eigenen persönlichen Geschichte überwältigt zu werden.
Was kommt dabei heraus?
Mit der Zeit wird die Verstrickung sichtbar. Die Person sieht klar, in 3D und ohne Filter, die Blockade, die sie in sich selbst trägt. Es ist ein unglaublich befreiender Moment. Indem die Person die Blockade vor ihren Augen sieht, hat sie die einmalige Gelegenheit, sich von ihr zu lösen. Die Blockade rückt ins Bewusstsein. Sie tritt aus dem unsichtbaren, unantastbaren Bereich in die Realität vor uns.
Um die Blockade zu lösen und zu transformieren, bietet der Facilitator eine Reihe von Sätzen an, die d. Klient.in gegenüber den entsprechenden Stellvertreter.innen wiederholt. Durch diese auflösende Bewegung entwickelt sich eine neue Szene. Es entsteht Erleichterung, mehr Energie, Frieden und ein neues Bewusstsein für die Situation und die beteiligten Personen. Jetzt kann die Aufstellung abgeschlossen werden. Facilitator und Klient.in identifizieren gemeinsam die relevanten Punkte, die d. Klient.in mit nach Hause nimmt.
Wenn eine Aufstellung beginnt, weiss der Facilitator nicht, wie am Ende die Lösung aussehen wird. Seine Rolle ist es, den Raum zu halten, d. Klient.in während des gesamten Prozesses zu begleiten und sorgfältig darauf zu achten, was d. Klient.in äussert und was sich spontan durch die Stellvertreter.innen im Feld manifestiert.
HamSa Serena Olgiati, Juli 2025, Teil 1 von 2
Im nächsten Abschnitt dieses Posts:
- Wie können dich Aufstellungen unterstützen?
- Epigenetik und Familienaufstellungen
- Transgenerationales Trauma
- Die Entwicklung der Familienaufstellungen
- Organisationsaufstellungen



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